Die Erkältungssaison scheint gerade Fahrt aufzunehmen. Laut Robert Koch-Institut stecken sich jede Woche rund 5,5 Mio. Menschen in Deutschland mit einer Atemwegserkrankung an. Momentan sind das klassische Erkältungsviren, die rumgehen. Das spürt man auch in vielen Apotheken und Arztpraxen.
Für Dr. Oliver Abbushi gibt es heute keine Pause. Ich beeil mich. In seiner Hausarztpraxis in Münchners Süden eilt er von einem Patienten zum nächsten. So 30, 35 Patienten hatten wir, die jetzt keinen Termin hatten, die wir alle dazwischen geschoben haben. Und wir sind auch noch dabei. Hier auf dem Oktoberfest hat die Erkältungswelle ihren Ursprung. Dicht an Dicht feierten noch vor wenigen Tagen Millionen Menschen aus aller Welt. Ein idealer Umschlagplatz für Viren. Während die Festzelte noch abgebaut werden, füllen sich die Praxen.
Auch diese Patientin hat es richtig erwischt. Wie viele Münchner war auch sie auf der Wiesn. Jetzt bekommt sie ein Medikament und eine Krankschreibung. Leider konnte ich nicht in die Arbeit, weil ich hatte in der ganzen Nacht Fieber und Reizhusten. Aber man muss gar nicht selbst das Oktoberfest besucht haben, um krank zu werden. Die Wiesn ist natülich schon ein Beschleuniger. Das muss man ganz klar sagen. Wir merken sie auch im Praxispersonal. Jedes Jahr kommen viele krank zurück und stecken sich gegenseitig an. Das dauert natürlich immer, bis die Leute sich anstecken.
Trotz der vielen Patienten, schlimm ist die Krankheitswelle nicht. Grippeviren und Coronaviren seien noch kaum dabei. Eher harmlosere Erkältungsviren. In den allermeisten Fällen ist der Verlauf eigentlich sehr gut. Die Leute sind ein paar Tage krank, drei, vier Tage. Dann geht es wieder in die Arbeit, dann geht es wieder aufwärts. Das ist im Moment die Regel, muss man sagen. Dass der aktuelle Verlauf mild ist, kann Apotheker Hermann Vogel bestätigen. Antibiotika würden insgesamt wenig verschrieben. Auch das Immunsystem sei nach Ende der Corona-Epidemie wieder robuster, weil sich die Menschen wieder regelmäßig Viren aussetzten.
Ab dem Jahr 2023 waren die Grippe-Infekte viel stärker, weil das Immunsystem nicht trainiert wird. Jetzt sehen die Erkältungswelle jetzt. Wer sie richtig mitnimmt und gut auskuriert ist für den Rest des Windes sehr gut gerüstet. Doch vor allem ältere Menschen sollten sich trotzdem gut schützen. Ihnen rät Hausarzt Dr. Abbushi zur Grippeimpfung. Da ist man jetzt noch überhaupt nicht zu spät dran, auch wenn jetzt schon alle schniefen. Denn die starke Erkältungswelle erwarten die Experten erst für Februar oder März.